Neun Stipendiat/innen – ein Thema

Psychologische Fragestellungen:
Optimismus, erlebte Selbstkontrolle und Selbstwirksamkeit sind Persönlichkeitsmerkmale, die Schmerzerfahrungen dämpfen können, und daher sicherlich zu den Resilienzfaktoren zu zählen sind. Es ist aber unklar, wie diese Faktoren wirken. Modifizieren sie die Wirkungserwartung wie bei der Placeboreaktion oder helfen sie emotionale Schmerzreaktionen wie Angst abzuschwächen oder gar in Sicherheitsgefühle umzuwandeln? Aktives Bewältigen von Schmerzen kann an Grenzen des Individuums und der Effizienz stoßen. Für diese Fälle werden akzeptanzorientierte Haltungen empfohlen, deren Wirkungen jedoch noch nicht endgültig verstanden sind.
Schmerz kann auch erfolgreich durch körpereigene Systeme gehemmt werden. Welche Personen können dies und welches sind die dafür notwendigen Bedingungen? Gibt es Persönlichkeitsmerkmale, die den erfolgreichen Schmerzhemmer auszeichnen? Schmerz hemmt Schmerz. Gilt das für alle Schmerzarten?

Theologische Fragestellungen:
Der Schmerz soll nicht nur bekämpft oder gebändigt, sondern achtsam in die eigene Lebensdeutung integriert werden. Damit rückt die Sinndimension von Schmerzverarbeitung und -behandlung verstärkt ins Blickfeld. Die Artikulation des Leidens kann ein wichtiger Schritt zur Entwicklung von Resilienz sein. Welche Rolle spielen Dimensionen der Verkörperung (embodiment) in den entsprechenden menschlichen Ausdrucksformen?
Welche Rolle christlich-religiöse Sprachformen für das Ineinander von körperlicher und geistiger Dimension in der Wahrnehmung des schmerzenden Körpers spielen, ist bislang nur wenig untersucht. Wie interagieren körperbezogene Metaphorik christlicher Überlieferung und die religiöse Selbstdeutung aus der Patientenperspektive?